Der Lutherdrucker Rhau-Grunenberg
Buchdrucksignet von Rhau-Grunenberg
Buchdrucksignet von Rhau-Grunenberg
Buchdrucksignets von Rhau-Grunenberg

Der Lutherdrucker Rhau-Grunenberg Wittenberg, die Stadt Luthers, der Ausgangspunkt und das jahrzehntelange Zentrum der reformierten Bewegung, erwiess sich in dieser Zeit als einer der bedeutensten Druck- und Verlagsorte Deutschlands. Am Anfang der Universitätsgeschichten stand der Plan, die Ausstattung der Universität durch Berufung eines Buchdruckers zu vervollständigen. Als erster wirklicher Drucker war der aus Erfurt stammende Nicolaus Marschalk im Jahre 1502 tätig. Er verließ jedoch bereits 1505 die Leureca, um sich als Diplomat in mecklenburgischen Diensten dem praktischen Leben zu widmen. Zwischenzeitlich bedienten sich die Professoren eines gewerblichen Druckers in Leipzig (Martin Landsberg), um ihre Schriften zum Druck zu bringen. Die dauernde Niederlassung eines gewerblichen Druckers wurde zunächst durch die Pest-Epedemie verhindert. Mit Wiedereintritt geordneter Verhältnisse ließ sich Johannes Rhau-Grunenberg 1508 in Wittenberg nieder.

Er kam aus Erfurt, wo er in der Druckerei Wolf Stürmers gearbeitet hat. Er nannte sich entsprechend seiner Heimatstadt Grünberg auch Gronenberg(K), Grunenberg(k), Gruenenberg, Viridimotanus. Anfänglich verbleibt seine Drucktätigkeit im engsten Zusammenhang mit der Universität und dem akademischen Lehrbetrieb. Er druckte Textausgaben für den Vorlesungsbetrieb und bediente sich dabei des von Marschalks hinterlassenen Typenmaterials. 1516 druckte Rhau-Grunenberg für Luther erstmals die „Theologia“. 1517 aber eröffnete Luther mit dem Einblattdruck der 95 Thesen, plakatiert an der Schloßkirche zu Wittenberg, den weltbewegenden, revolutionären Kampf. Wahrscheinlich war dieser Plakatdruck der 95 Thesen auch aus der Presse Rhau-Grunenbergs hervorgegangen. Mit dem zunehmenden Bedarf erwies sich die technische Ausstattung seiner Druckerei jedoch als unzulänglich. Die alten Lettern von Marschalk wurden allmählich unbrauchbar, Schriftbild und Satz blieben unbefriedigend. Dennoch ist Rhau-Grunenberg derjenige gewesen, der die typografische Vorleistung für den Durchbruch der Reformation vollbracht hat. In einem Schreiben an xxx „beschwerte“ sich Luther über die Druckqualität von Rhau-Grunenberg. Mit Melchior Lotter und Hans Lufft kamen weitere Drucker nach Wittenberg, die die Arbeit von Rhau-Grunenberg übernahmen. Im Jahre 1524 wird die Anzahl seiner Werke geringer und 1525 gibt es die letzten Werke von ihm. Sein Haus taucht auch in den Wittenberger Steuerlisten auf. Am 19. August 1527 schrieb Luther einen Brief an Spalatin, in dem er neben anderen, vom Pest-Tod der Tochter von Rhau-Grunenberg berichtet.

Die Familie Rhau
Da sich Personenstands-Akten aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg in Grünberg fehlen, lassen sich hier keine direkte Verwandten nachweisen. Doch ist eine Familie Rau seit 1378 in Grünberg nachweisbar. Eine Urkunde aus dem Jahr 1479 nennt einen „Rupert Rau“. Am Ende des 16. Jahrhunderts lebten in Grünberg drei Familien mit dem Namen „Rau“, die alle der städtischen Oberschicht angehörten.


Quellenverzeichnis