Als das Licht elektrisch wurde - Vortrag von Dipl.-Ing. Wolfgang Hofheinz im Museum

Vortragender Dipl. Ing. Wolfgang Hofheinz GRÜNBERG (hgs). Der griechischen Mythos nach, stahl Prometheus den Göttern das Feuer und gab es den Menschen. Aus diesem Urelement nahm sich der Mensch das Licht. Mit der vom Menschen geschaffenen Beleuch-tung geht seitdem die Entfaltung seiner Kultur einher. So begann Dipl. Ing. Wolfgang Hofheinz, ehemaliger Geschäftsführer der Firma Bender und Vorsitzender des Feundeskreis Museum Grünberg seinen Vortrag vor rund 40 Besuchern im Sonderausstellungsraum des Museums im Spital. Aus der Entwicklung der künstlichen Beleuch-tung können nur einzelne Aspekte erhellt werden, die zeigen, dass hinter jeder Geschichte viele Menschen stehen, die daran beteiligt waren. In einem Gespräch während der Sonderausstellung "Licht ins Dunkel“ entstand bei Hofheinz die Idee, auch einfache Erläuterungen zum "elektrischen Licht" zu geben. Er erwähnte auch, dass am 20. Dezember 2013 die UN-Generalversammlung das Jahr 2015 als "Internationales Jahr des Licht und der lichtbasierten Technologien" ausgerufen hat. Das Jahr des Lichts soll an die Bedeutung von Licht als elementare Lebensvoraussetzung für Menschen Tiere und Pflanzen und daher auch als zentraler Bestandteil von Wissenschaft und Kultur erinnern.

Bild vom Generator der  Spinnerei und Weberei Heinrich Schmidt - 1911Der menschliche Wunsch nach Licht forderte die Entwicklung von neuen Techniken heraus: Neue Beleuchtungs-formen wurden meist heller als ihre Vorgänger. Argands Öllampe mit Runddocht überstrahlte die herkömmlichen Öllampen. Die viel helleren Gaslampen wirkten im Licht der elektrischen Bogenlampen wie "Funzeln". Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Beleuchtung rasant. Sie trieb die Elektrifizierung voran. Mit dem künstlichen Licht konnte sich der Mensch von dem natürlichen Tages-Rhytmus unabhängig machen. Der Fortschritt brachte neues Licht und das neue Licht brachte mehr Fortschritt. Das "alte Licht" wurde von Museumsleiterin Karin Bautz bei der Eröffnung der Ausstellung "Licht ins Dunkel" thematisch dargestellt und an Beispielen verdeutlicht. Die Ausstellung selbst, mit den bemerkenswerten Exponaten und beschreibenden Texten, vermittelt gegenwärtig einen sehr guten Überblick über das "alte Licht" und kann noch bis zum 22. März 2015 besucht werden.

Marktplatz mit HängelampeEnde des 19. Jahrhundets war die die Lichtausbeute beim Gas durch die Erfindung des Glühstrumpfs verbessert worden. Dann folgte die Kohlebogenlampe, die so hell wie Sonnenlicht war, so dass man nicht hineinschauen konnte und das Licht hinter einer Glocke aus Matt- oder Milchglas gedämpft werden musste. Es folgten weitere Entwicklungsschritte zum elektrischen Licht. Neben anderen Erfindungen seit 1800 entdeckte 1866 Werner von Siemens das dynamoelektrische Prinzip. Thomas Alva Edison (USA) baute 1882 im Londoner Holborn Viaduct das erste größere Gleichstromwerk, dem 1887 das erste von Sebastian Ziani de Ferranti (Italien) gebaute große Wechselstromkraftwerk folgte. Den Krieg der Syteme zwischen Edison (Gleichspannung) und George Westinghouse (Wechselspannung) entschied Nikola Tesla durch die am 16. Mai 1888 vorgestellte Konstruktion seines Wechselstrommotors. 1891 realisierte Oskar von Miller das Pojekt einer "Kraftübertragung von Lauffen nach Frankfurt", womit bewiesen wurde, dass Wechselstrom über große Strecken transportiert werden kann. Der Siegeszug der Glühlampe begann mit der Weltausstellung 1881 in Paris durch Edison, wobei die Frage nach dem echten Erfinder bis heute nicht beantwortet werden kann. Aber so wurden nach und nach die Städte mit heller Nachtbeleuchtung ausgestattet. Marktplatz mit zentraler Beleuchtung 1970Auch vom ersten Elektro-Unfall im Jahr 1879 berichtete Hofheinz, bei dem ein Angestellter des Reichstagsgebäudes bei der Erklärung der Arbeitsweise der installierten Lampen unvorsichtig war und einen Schlag erlitt. Man schaffte ihn auf Vorschlag eines Anwesenden in den Garten und steckte seine Hände in die Erde, um den in den Körper eingedrungenen Strom unschädlich in die Erde abzuleiten. Dort lag der Elektriker, bis er sich erholt hatte.

Hofheinz ging auch auf die Isolationsüberwachung im Bergbau ein, denn durch Funkenbildung war es immer wieder zu Schlagwetter-Explosionen gekommen. Für die aktiven Bergleute "Unter Tage" war es von großer Wichtigkeit, dass sie ständig über den Isolationszustand der Kabel, Leitungen und der Betriebsmittel informiert wurden und bei Grenzwertunterschreitungen eine Meldung erhielten. Dafür werden bis in die heutige Zeit Isolationsüberwachungsgeräte eingesetzt. Diese Geräte wurden bereits zu Anfang der 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts von der heimischen Firma Bender entwickelt und gefertigt und von der Firma Calor-Emag in Ratingen für die bergbauliche Anwendung eingesetzt. Als der Erfinder gilt Dipl.-Ing. Walther Bender als der Vater der Isolationsüberwachung. Eine Variante dieses Isolationsüberwachungsgeräts findet man in der Daueraus-stellung des Museums im Spital.

Leitungsplan 1907Ab 1900 kam der Strom auch in die Provinz Oberhessen. Im Jahr 1906 wurde bei einer Besprechung in Nidda die Absicht gefasst, dass auch die Städte Grünberg, Lich und Hungen mit ihrer Umgebung in die Versorgung mit elektrischem Licht einbezogen werden. Im Jahr 1908 fragten die Kreisämter bei den Gemeinden zum Bedarf nach elektrischer Energie an. Am 23. Februar 1911 unterzeichnet Dr. Usinger im Namen der Provinz (Oberhessen) einen Vertrag mit dem hessischen Staat, der ein Kraftwerk bei der Grube "Ludwigshoffnung" in Wölfersheim errichtete und den dort erzeugten Drehstrom mit 5.000 Volt Spannung an die Provinz Oberhessen nach deren Bedarf abgab.

Das Versorgungsgebiet reichte nördlich bis Lich, Grünberg und Laubach, westlich und südlich bis zur Landesgrenze und nordöstlich bis zum Kamm des hohen Vogelsbergs. In Lauterbach kennt man bereits seit 1906 die besonderen Vorzüge der neuen Licht-und Kraftquelle. Leuchtendes GlasBürgermeister Stöpler berichtete, dass in Lauterbach die kleinsten Betriebe jedweder Branche Elektromotoren benutzen und dass man durch einen Druck auf einen Knopf alle Straßenlampen auf einmal aufleuchten lässt. Im Jahr 1911 wurde erstmals elektrisches Licht in der Spinnerei und Weberei Heinrich Schmidt I. eingeführt. Kurz vor dem ersten Weltkrieg brannte am 21. Juli 1913 zum ersten Mal das elektrische Licht in der Stadt, in den Straßen, einigen Kauf-und Privathäusern. Diese Installation erwies sich bald darauf, als der erste Weltkrieg ausbrach und die bisherigen Brennstoffe der Beleuchtung, Petroleum und Kerzen, knapp wurden, als außerordentlich wertvoll. Gezeigt wurden im anschluss an den Vortrag unterschiedliche Glühlampen sowie leuchtende Gläser.

Die Nutzung von Lichtquellen werden von den Menschen seit Jahrtausenden genutzt. Die Anwendung von elektrischer Energie zur Lichterzeugung begleitet die Menschheit erst wenige Jahrhunderte. Die Glühlampe oder Glühbirne war über die letzten Jahrzehnte die meistgenutzte Lichtquelle. doch nun steht sie laut EU-Gesetzgebung vor dem Aus. Auch in Grünberg konnte man die vielfältige Anwendung von LED-Leuchten bereits registrieren. Ganz langfristig kann sich Hofheinz auch einen erneuten Aufschwung der Gleichspannung vorstellen. Er dankte abschließend Barbara Schmidt, Gerhard Großhaus und Harald Sellner für die Zurverfügungstellung von Unterlagen und Bilddokumenten zum Vortrag.

Bilder: privat - bis auf leuchtende Gläser von Wolfgang Hofheinz (Schuette)