Stadtteilgeschichte im Museum
Grünberger Stadtteile (Wikipedia)

Wappen Grünberg Ein besonderes, aber bedeutsames Kapitel der jüngeren Grünberger Stadtgeschichte beginnt mir der hessenweiten kommunalen Gebietsreform anfangs der siebziger Jahre im 20. Jahrhundert. Damals gliederten sich in der Amtszeit des Bürgermeisters und späteren Ehrenbürgers Karl Anschütz nach geschickter Verhandlungsführung 13 im Umkreis von 2 – 12 Kilometern gelegene, bis dahin selbstständige, ehrenamtlich verwaltete Dörfer freiwillig in die Stadt ein.

Im Museum haben sie und ihre überwiegend von der Landwirtschaft bestimmte Geschichte einen Platz in dem lichtdurchfluteten modernen Glasanbau gefunden, der als erster Blickfang auf das alte Hospitalgebäude die Museumsbesucher begrüßt und ihnen Zugang gewährt. Dabei befindet sich inmitten des Treppenhauses ein Fahrstuhlschacht, der mit einer Fotokollage von Bildern des dörflichen Lebens im vorigen Jahrhundert verkleidet ist. Außer diesem Fototurm zeigt das Entree noch auf einer freien Wandfläche gerahmte Bilder von jeweils einem markanten älteren Gebäude aus jedem der 13 Stadtteile, dem sich ein kurzer historischer Abriss mit den wichtigsten Vergangenheitsdaten anschließt.

Nach dem Datum der Ersterwähnung sind sämtliche heutigen Stadtteile mittelalterliche Gründungen. Unter diesen sind Lardenbach (1036/1051), Queckborn (1108), Stangenrod (1220) und Harbach (1243) die Ältesten, Weickartshain (1443) die Jüngste. Für den größten Stadtteil Queckborn, der im vorigen Jahrhundert eine frühindustrielle Entwicklung nahm, sind im Bereich der spätromanischen Kirche auch Reste einer noch älteren Burg sowie ein Ortsrittergeschlecht belegt.

Kirchenbauten romanischen Ursprungs haben ebenfalls Harbach und Stangenrod. Zu letzterem als Kontrapunkt im gleichen Kirchspiel befindet sich im Nachbarort Lehnheim ein modernes kirchliches Gemeindezentrum aus dem 20. Jahrhundert. Den Stadtteil Beltershain ziert ein kleines spätgotisches Kirchlein. Mit bemerkenswerter Konstruktion in Lardenbach, ansonsten aber einfache, kleine Fachwerkkirchen – meist au dem 17./18. Jahrhundert – sowie kombinierte ehemalige Schul/Predigträume gleicher Bauart weisen noch Klein-Eichen und Reinhardshain sowie Stockhausen und Weickartshainaus.

Ohne eigenen Kirchenbau ist Göbelnrod, was aber einen Glockenturm mit historischer Glocke aus der alten Grünberger Stadtkirche hat und ebenso wie Lumda und Weickartshein seit dem Hessentag 1980 in Grünberg über ein modernes Gemeinschaftshaus verfügt. Von den sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen sind in Weitershain die dazu umgebaute repräsantive Schule, in Queckborn und Stangenrod die Sporthallen und in Stockhausen eines der ersten Dorfgemeinschaftshäuser überhaupt noch bemerkenswert.

Für die östlichen Stadtteile hatte der Erzabbau bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts auch wirtschaftliche Bedeutung.

Schließlich wecken in einigen Stadtteilen noch alte Schulen, Bahnstationen, Pfarr- und Forsthäuser sowie Wegekreuze, Wassertürme, Hochbehälter, Brunnen, Quellen und markante Eichen oder Linden historische Erinnerungen.

Zur weiteren Erschliessung der Stadtteilgeschichte im Museum sind daran Interessierte eingeladen sich einzubringen.