1748 – Eine Trauung im „adeligen Hause“ in Burkhardsfelden
Von Wolfgang Hofheinz Stand 3.8.2025
Im Jahre 1748 fand in dem „adeligen Haus“ der Witwe des Generalwachtmeister Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld in Burkhardsfelden eine Trauung statt, die jetzt erst, durch den Fund einer früheren Veröffentlichung bekannt wurde. (1)
In dem Beitrag „Die Familie Wissenbach aus Herborn“ ist der Lebenslauf des späteren hessischen Generalleutnants Moritz Adolf von Wissenbach mit dem folgenden Textauszug aufgeführt:
„Anno 1748 den 23. Februar habe ich mich mit Fräulein Agneten Christinen von Wissenbach wohledlen Herrn Wilhelm Just von Wissenbach Hochf. Hess. Caßl. Raths und Oberamtmann zu Schmalkalden und Elisabethen geborenen Vultejus nachgelassene Fräulein Tochter, geboren den 12. Februar 1709, vermählt und in ihrer Tante der Frau General von Löwenfeld Behausung zu Burckhardsfelden durch den Herrn Pfarrer Weitershausen von Grossenbuseck copulieren lassen ….“
Zur Familie der Braut Agneten Christinen von Wissenbach:
Agneten Christinen von Wissenbach kam am 12. Februar 1709 in Schmalkalden als Kinde von Jost Wilhelm von Wissenbach und dessen Ehefrau Elisabeth, geborene „von Vultejus“ auf die Welt. Väterlicherseits entstammte sie einer bekannten Familie mit hohen Stellungen aus der Stadt Herborn, im damaligen Amt Herborn. Vieles deutet darauf hin, dass die Vorfahren der Familie Wissenbach aus dem Ort Wissenbach, im heutigen Lahn-Dill-Kreis entstammen. Bekannt wurde bereits Joachim Wissenbach (* um 1560, + 5.4.1623). Vier Generationen später erblickt Moritz Adolf von Wissenbach das Licht der Welt. (2)
Die Mutter von Agneten Christinen von Wissenbach entstammte der bekannten Marburger Adelsfamilie, der „von Vultejus“. Die Familie wurde bekannt durch Hermann von Vultejus, (geb. am 7. Februar 1634 in Marburg, gest. am 17. April 1723 ebenda), er war ein hessischer Jurist und landgräflicher Hessen-Kasseler Vizekanzler in Marburg. Er kaufte 1669 das Haus „Hühnerhof“ in Marburg an der Ritterstrasse 14 – siehe Bild 1. Er war ein Spross der Familie Vultejus, einem, durch seinen Großvater begründetes Adelsgeschlecht. Im Haus der Tante und Patin der Braut, Agnete Christine von Löwenfeld, geb. von Vultejus, wurde die oben aufgeführte Trauung in Burkhardsfelden durchgeführt.

Bild 1: Haus „Hühnerhof“, Marburg, Ritterstrasse 14.
Foto: Wolfgang Hofheinz -2019.
Zur Familie des Bräutigams Moritz Adolf von Wissenbach:
Moritz Adolf von Wissenbach wurde am 16. Juni 1704 in Birstein geboren. Sein Vater war der geheime Rat, Canzler und Direktor in Birstein. Er wurde später Chur-pfälzischer Regierungsrat und starb in Worms. Die Mutter, Elisabethen Jungmann stammte aus einem uralten, adeligen Geschlecht aus Deynse in Brabant. Zu weiteren Vorfahren sind Daten dem aufgeführten Lebenslauf von Moritz Adolf von Wissenbach zu entnehmen.
Das Regiment „von Wissenbach“:
Generalleutnant Moritz Adolf von Wissenbach übernahm 1763 das ehemalige Garnisonsregiment Müller und wurde dann Chef des hessischen Garnisonsregiments „von Wissenbach“. Dieses Regiment kämpfte von 1776-1780 auf englischer Seite im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. (3)
Zur Vermählung im „Adeligen Haus“ in Burkhardsfelden:
Dem Text des Lebenslaufs von Moritz Adolf von Wissenbach ist zu entnehmen, dass die Trauung des Paares im Haus der Tante von Agneten Christine, der Frau des Generals von Löwenfeld, in Burkhardsfelden am 2. Februar 1748 stattgefunden hat. Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld (geb. am 17. Mai 1653 in Grünberg (Oberhessen); gest. am 30. September 1709 in Landau in der Pfalz) war ein geadelter Generalfeldwachtmeister (Generalmajor) der kaiserlichen Reichsarmee. Er war der Sohn des Grünberger Amtmannes Johannes Hoffmann sowie seiner Gattin Barbara geb. Krebs. Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld heiratete 1698 dann in zweiter Ehe Agnes Christina von Vultejus aus Marburg.
Das Leben der Familie von Löwenfeld in Burkhardsfelden:
Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld, und seine zweite Ehefrau Agnetta Christina Vultejus aus Marburg, hatten im Jahre 1700 von Oberst Geißmar das adelige Gut in Burkhardsfelden gekauft. (4)
Da das Herrenhaus heruntergekommen war, mußte Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld ein neues Haus errichten. Ein erhaltenes Stück vom Torbogen der Eingangstür trägt die Jahreszahl 1701 und würde dies bestätigen. Bis zu dem Tod von Generalwachtmeister Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld im Jahr 1709 in Landau, lebte die Familie wohl in Burkhardsfelden im „Adeligen Haus“. Es kamen fünf Kinder zur Welt. Danach wohnte Agnetta Christina, die Frau Generalin – wie sie im Lebenslauf von Moritz Adolf von Wissenbach genannt wurde- mit ihren Kindern in Burkhardsfelden. Dort starb sie dann im Jahre 1758. (5)
Das „Adelige Haus“ in Burkhardsfelden:
Hinweise zum „adeligen Haus“ in Burkhardsfelden finden wir in einem Beitrag von E.Schliephake mit dem Titel: Rentmeistergeschlecht Hoffmann aus Grünberg und Ulrichstein. (6)
Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld, geb.: 17. Mai 1653 in Grünberg. Er war verheiratet in erster Ehe 18. September 1684 mit Marie Juliane Seidel in Gießen, gest.: 28. April 1696 daselbst, in zweiter Ehe mit Agnete Christine von Vultejus am 8. September 1698 in Marburg. Sie wurde am 13. Mai 1678 in Marburg geboren und starb am 30. März 1758 in Burkhardsfelden. Das Elternhaus von Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld ist heute noch als wunderschönes Fachwerkgebäude in der Schlossgasse in Grünberg zu bewundern.

Bild 2: Geburtshaus von Hoffmann von Löwenfeld in Grünberg, Schlossgasse.
Foto: Wolfgang Hofheinz – 2019
Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld war ein sparsamer Haushalter, auch hatten ihm wohl seine beiden Frauen einiges Heiratsgut zugebracht. Es besaß bereits 1698 ein eigenes Haus in Gießen auf dem neuen Weg. Im Jahr 1701 konnte er ein ehemals den Ganerben des Busecker Tals und zuletzt dem Obristen von Geismar gehöriges Hofgut in Burkhardsfelden erwerben und daselbst ein Herrenhaus errichten und einen schönen Baumgarten in Terrassenform anlegen. Der Hof kam später durch die Erbschaft an die Familie v. Dresky und von dieser 1850 an die Familie v. Grolman, die ihn in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts an den Tabakfabrikanten Noll in Gießen veräußerte.
Die zweite Ehefrau von Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld war eine Tochter des am 7.11.1634 geborenen und 17. April 1723 gestorbenen Hermann von Vultejus, 1662 Regierungsrat und 1687 Vizekanzler in Marburg und der Anna Margarethe, Tochter von Berthold v. Gehren.

Bild 3: Foto des „adeligen Haus“ in Burkhardsfelden. 1701 erbaut und 1960 abgerissen.
Bildquelle: Heimatgeschichtliche Vereinigung Reiskirchen e.V. (HGV)
Daten zum Generalwachtmeister Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld (1653-1709):
Den militärischen Lebenslauf beschreibt Waldemar Küther im Jahre 1972. (7)
„Unter den Amtmännern der Burg und Stadt Grünberg erscheint 1672 ein Johannes Hoffmann. Einer seiner Söhne, das 4. Kind, der am 25. Mai 1653 geborene Hartmann Samuel Hoffmann, wurde Soldat. Er trat zuerst in schwedische, dann in hessische Dienste und 1677 mit 24 Jahren Leutnant im späteren Infanterieregiment 117. Sechs Jahre später erhielt er den Rang eines Kapitäns und Chefs der 1683 neugeründeten 2. Kreiskompanie, ebenfalls einer Vorläuferin des Inf.-Rgts. 17. Dank seiner hervorragenden militärischen Tüchtigkeit stieg er in die höchsten Stellen auf. 1690 wird er Oberwachtmeister, 1693 Obristleutnant, 1697 erster Kommandeur des neu errichteten Kreisregiments (Inf.-Rgt.117), 1702 Oberst und 1706 Generalmajor. Auf allen möglichen Kriegsschauplätzen hat er mit Auszeichnungen gekämpft, in Schweden, Ungarn und Deutschland. 1683 tat er sich bei der Belagerung Wiens durch die Türken hervor, ebenso in den anschließenden Kämpfen gegen die Türken in Ungarn. Gleich darauf finden wir ihn (1689) im Kampf gegen den französischen „Sonnenkönig“, Ludwig XIV., im sog. Pfälzischen Raubkrieg (1688-97) und in dem folgenden „Spanischen Erbfolgekrieg“……
Das Grabmal von Hartmann Samuel Hoffmann von Loewenfeld (1653 – 1709) befindet sich in der Katharinenkapelle in Landau/ Pfalz. (8)

Abbildung: Katharinenkapelle Landau – 2018 Foto: Wolfgang Hofheinz
Im nördlichen Seitenschiff des Langhauses der Kapelle befindet sich das Epitaph des kaiserlichen Generalwachtmeister Hartmann Samuel Hoffmann von Löwenfeld, der vom 16. November 1706 bis zum 30. September 1709 stellvertretender Festungskommandant in Landau war. Auf dem Gesims dieses Epitaphs ist das Wappen des Verstorbenen, von zwei Löwen gehalten, eingefügt.

In einer von Trophäen und Engelsköpfen aus rotem Sandstein umrahmten rechteckigen, schwarzmarmornen Inschriftplatte ist Folgendes zu lesen:
„Hier Rueht Ein Held Der weiland Hoch Wolgebohrne Gestrenge Herr Hartmann Samuel Hoffmann von Loewenfeld. Der Roemisch Kayserlichen Maiestaet und Hochloeblich Oberrheinischen Craysses General Wachtmeister Auch Furstlich Hessen Darmstaettischer und Commendant Allhier. Welcher im Jahre MDCLIII den 17 May zu Grünberg (bei Gießen) von Christehrlichen Eltern Gebohren.
Viele Kriege und Helden Proben in Schweden Holland Ungarn und Teutschland Und Zuletz In Eroberung und Beschuetzung Hiesiger Vestung Abgelegt.
Durch seine Treuw und Tapferkeit in den Adel erhoben. Aber im Jahr MDCCIX Den XXX September nach XIV Taegiger Kranckheit Im LVII Jahr seines Alters Dahier in Landau Seelig Verstorben.
Und Seinem Gott, Kayser und Fuersten Treuw Geblieben Biss in Tod Erwartet Hier Frohlichen Auferstehung Zum Ewigen Leben.“
(1) Wolfgang H. Sturt und Lupold Lehsten „Die Familie Wissenbach aus Herborn“,
HKF Bd. 23, 1997
(2) Wolfgang Hofheinz, Beiträge zur Geschichte des Dorfes Wissenbach, „Der Familienname Wissenbach“, Grünberg, 1995.
(3) Wolfgang Hofheinz, Beiträge zur Geschichte des Dorfes Wissenbach,
Teil 4, „Das Regiment von Wissenbach“, 1989.
(4) Hans Heinrich Kaminsky, Gustav Köhler, 850 Jahre Burkhardsfelden, 2000.
(5) Gudrun-Haas Becker, „Burkhardsfelden- Die Hofreiten und ihre Eigentümer im 19. Und 20. Jahrhundert.
(6) E.Schliephake, „Rentengeschlecht Hoffmann aus Grünberg und Ulrichstein“, Hessische Chronik, 25. Jahrgang, Heft 2 Jujli 1938.
(7) Waldemar Küther, Grünberg- Geschichte und Geschichten einer Stadt in acht Jahrhunderten. S. 556-558, 1972.
(8) Bernhard Scholten, Die Katharinenkapelle- zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eines Landauer Baudenkmals, 2017.